Enver Hoxha – Freiheitskämpfer, Diktator, Betonmischer

Zuerst sind sie mir in den Bergen von Albanien aufgefallen: kleine Bunker, die am Wegesrand herumstehen und in die gerade einmal zwei Personen passen.

An den Küsten Albaniens sind sie fester Bestandteil des Landschaftsbildes. Es gibt quasi keinen Ort, an dem man sie nicht antrifft. Manchmal muss man sie ein wenig suchen. Manchmal sind sie etwas größer, manchmal stehen sie – bemalt in den Farben der Landesflagge – wie Pilze in der Gegend herum.

Am Flughafen von Tirana findet man noch weitere Bunker, in denen sowjetische Kampfflugzeuge stationiert waren.

Verantwortlich für die Hinterlassenschaft aus Beton und Stahl ist dieser adrett gekleidete Herr in Kämpferpose namens Enver Hoxha.

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Geboren als Sohn einer wohlhabenden Familie engagierte er sich während des Zweiten Weltkriegs als Freiheitskämpfer gegen die italienische und deutsche Besatzung seines Landes und wurde Führer der kommunistischen Partei Albaniens.

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Nach dem Krieg konnte sich die kommunistische Partei gegen andere Freiheitsbewegungen in Albanien durchsetzen und Hoxha wurde de facto zum Staatsoberhaupt seines Landes. Nun zeigte er sein wahres Gesicht, ließ eine einzige freie Wahl durchführen, aus der die Kommunisten als Sieger hervorgingen, und verbot danach alle anderen Parteien. Seine Gegner ließ er reihenweise verhaften, verurteilen und hinrichten.

Nach Zerwürfnissen mit Jugoslawien, der Sowjetunion und China in den Jahren nach dem Krieg bekam der langjährige Diktator und bekennende Stalinist Hoxha einen Anfall von Paranoia. Aus Angst vor einer Invasion sowohl aus dem Westen als auch aus dem Osten ließ er ab 1972 an die 200.000 Bunker errichten. In diesen sollte die gesamte Bevölkerung das Land verteidigen. Die Menschen wurde dementsprechend ausgebildet.

Sich selbst und seinem Führungsstab gönnte der Diktator – wer hätte es anders erwartet – einen Führerbunker in der Hauptstadt Tirana, der auch einem Atomkrieg standhalten sollte. Nachfolgende Aufnahmen stammen aus dieser Einrichtung, die seit 2014 für die Öffentlichkeit als Museum namens BUNK’ART zugänglich ist. An diesem Originalschauplatz wird die Geschichte Albaniens von der italienischen Besatzung bis zum Ende der Diktatur Hoxhas auf sehenswerte Art und Weise dargestellt.

Eine Dokumentation von ZDFinfo hat die Geschichte der Bunker in Albanien medial – inklusive stimmungsvoller Musik – aufgearbeitet.

Enver Hoxha konnte dem Schicksal eines anderen Betonmischers auf dem Balkan, Nicolae Ceaușescu, entgehen, weil er 1985, kurz vor dem Ende der Sowjetunion, das Zeitliche segnete. Der rumänische Diktator Ceaușescu hatte für den Bau eines neuen Regierungsviertels inklusive des damals, nach dem Pentagon und hinsichtlich der Grundfläche, zweitgrößten Gebäudes der Welt, dem Haus des Volkes, in Bukarest ganze Stadtviertel abreißen lassen – während gleichzeitig große Teile der rumänischen Bevölkerung an Mangelernährung litten. Unter anderem dafür wurde er während der zweiwöchigen rumänischen Revolution Ende 1989 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und wenige Minuten später mitsamt seiner Frau Elena hingerichtet.

Was nun aus den Hinterlassenschaften Hoxhas in Albanien wird, ist ungewiss. Militärisch werden die Bunker nicht mehr genutzt. An manchen Stellen kann man sehen, wie die größtenteils sehr freundlichen Albaner damit umgehen.

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